Windkraft

Gemeinsame Sitzung mit den Gemeinderäten aus Seitingen-Oberflacht am 21.02.2013

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Rückenwind haben die Gemeinderäte aus Seitingen-Oberflacht und Rietheim-Weilheim mit einem einstimmigen Beschluss dem Windparkprojekt „Weilheimer Berg" verschafft. An der gemeinsamen Sitzung im Rietheimer Rathaus nahmen auch etliche BürgerInnen aus beiden Gemeinden teil, nicht nur als interessierte ZuhörerInnen sondern auch als fachkundige Arbeitsgruppenmitglieder, die sich in mehreren Sitzungen schon intensiv in das Windkraftprojekt einarbeiteten. Dabei war auch noch ein Mann, der das Thema aus einer weiteren Perspektive beleuchten konnte: Ingenieur Andreas Heizmann, Initiator und jetziger Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Bürgerwindrads Brandenkopf.

Rietheim-Weilheims Bürgermeister Jochen Arno gab nach der Begrüßung einen kurzen Rückblick auf die Beratungen, Infoveranstaltungen und ersten Schritte im Bereich Windkraft auf dem Weilheimer Berg. Dr. Rüpel von kom:reg., der die Gemeinden bei diesem Thema berät, berichtete vom aktuellen Stand. Der „Weilheimer Berg" gilt als einer der wirtschaftlich interessantesten Standorte in der Verwaltungsgemeinschaft Tuttlingen und gehört nach der vertieften Untersuchung zu den 8 Konzentrationszonen, die weiter verfolgt werden sollen. Dass mögliche Windkraftanlagen auf dem Weilheimer Berg Konflikte für die Radaranlage in Gosheim verursachen, scheint nach erster Gutachterauskunft unwahrscheinlich. Doch muss das bei einem Genehmigungsverfahren untersucht werden.

Leider, so Bürgermeister Flad aus Seitingen Oberflacht, wird das von zuständiger Stelle nicht vorab geprüft. Kritisch scheint es auch beim Vogelschutz nicht zu werden, das haben die immerhin schon 8 Begehungen gezeigt. Weitere Untersuchungen und Gutachten auch für die Fledermäuse sind aber noch nötig.

Die Arbeitsgruppe Windkraft, in der BürgerInnen beider Gemeinden vertreten sind, hat schon „ganze Arbeit" geleistet und erste Empfehlungen an die Gemeinderäte erarbeitet. Jürgen Marquardt, Elmar Welte und Matthias Bacher informierten nacheinander gleichermaßen fundiert wie anschaulich über die Ergebnisse. Die erste allgemeine Risikoeinschätzung der Arbeitsgruppe auf Basis der bislang bekannten Fakten und Daten liegt näher bei „niedrig" als bei „mittel". Wobei die Bewertung mittel für den Wind an oberster Stelle steht. Die AG hat auch die zu erwartenden Kosten der Projektentwicklung beziffert. Insgesamt 650 000 € setzt sie dafür an. Sie ergeben sich aus dem „Risikokapital" ( bis zur Genehmigung : Vorplanung/ Genehmigungsplanung : ca 150 000 €; Windmessung/ Gutachten : ca. 200 000€) und den Kosten bis zur Inbetriebnahme (Ausführungsplanung/Bauüberwachung ca. 200 000 €; Gebühren ca. 100 000 €)

Erst die - teure - Windmessung (über ein Jahr) wird indes belastbare Daten liefern für eine realistische Beurteilung der Wirtschaftlichkeit. Die AG Windkraft nannte eine billigere Alternative, ein präziseres Rechenmodell , das zumindest aufzeigt, ob die Werte, die der Windatlas angibt (6,5m/s) stark abweichen. Erörtert hat die Arbeitsgruppe auch die Frage wie das Projekt Windanlagen am besten entwickelt und realisiert werden könnte: mit einem großen Energieversorgen oder zusammen mit einem Dienstleister. Man hat in einer Nutzwertanalyse dafür eigens Methodik und Kriterien bestimmt. Die Resultate zeigen klare Vorteile bei der Zusammenarbeit mit einem Dienstleister.

Die Gemeinderäte folgten den Empfehlungen der Arbeitsgruppe „Windkraft" und beschlossen einstimmig das Windkraftprojekt „Weilheimer Berg" unter der Federführung der beiden Gemeinden fortzusetzen, ein „Orientierungsgutachten" für die Ertragsabschätzung (ca. 4100 € netto) an das Büro BBB Umwelttechnik , Weiden, zu vergeben. Bestätigt es die Windatlas-Angaben, könnte eine Windmessung folgen. Auch dass die AG Windenergie in Zusammenarbeit mit kom:reg ein Umsetzungskonzept erstellt, mit dem Ziel eine Projektgesellschaft vor Ort zu gründen fand die Zustimmung der Räte.

Mit Andreas Heizmann hatte man einen ausgewiesenen Fachmann vor Ort. Seit 17 Jahren ist der Maschinenbauingenieur in der Windbranche tätig, er ist Initiator und Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Bürgerwindrads Brandenkopf, das seit ca. 10 Jahren in Betrieb ist in der Schwarzwaldgemeinde Fischerbach. An ihn gingen viele Fragen. Grundsätzlich bestätigte er die bisherigen und geplanten Vorgehensweisen und riet, sich bei dem Vorhaben nicht auf EEG-Vergütungen zu verlassen.

Bürgermeister Flad bedankte sich am Ende bei allen Beteiligten für die sehr sachliche, disziplinierte und kooperative Arbeit und Diskussion.