Ausstellung beleuchtet die Geschichte der Gastwirtschaften

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Ohne viel darüber nachzudenken trifft sich Jung und Alt ab und an in einer Gastwirtschaft oder geht in den Ferien in ein Hotel. Woher diese Einrichtungen kommen und was für eine Geschichte hinter diesen Häusern steht ist vielen unbekannt. Theo Lehmann beleuchtet diesen gesellschaftlichen Zweig sehr ausführlich an Hand von der Gastronomie in Seitingen-Oberflacht.

Beinahe zwei Jahre recherchierte er akribisch und trug wertvolle Informationen sowie sehr interessante Bilder zusammen, die nun in einer Ausstellung im Museum Seitingen-Oberflacht zu sehen ist. Zu jeder Gaststätte im Ort erstellte er eine Art Zeittafel die genau Aufschluss über deren Existenz und Verlauf gibt. Um so was zu realisieren benötigte er Hilfe. Die bekam er von den verschiedensten Stellen im Ort, dem Landkreis, dem Land und der Kirche. Bürgermeister Bernhard Flad konnte zur Eröffnung zahlreiche Gäste begrüßen, neben den örtlichen Gastronomen war auch Kreisarchivar Dr. Hans-Joachim Schuster, Angelika Feldes vom Museum Spaichingen oder Gabi Lempke von der Hirsch Brauerei da. Die Wirtshausmusikanten umrahmten die Eröffnung musikalisch.

Angelika Feldes hielt die Einführungsrede in der Sie ein paar Streiflichter auf die Geschichte warf. So geht man davon aus das es den Pilgern im Mittelalter zu verdanken ist das es die Gastronomie gibt. Allerdings waren es früher Klöster oder von Klöstern betriebene Unterkünfte die den Reisenden auf den bekannten Pilgerouten einen sicheren Schlafplatz, Kost und medizinische Hilfe gaben. Nach und nach wurden diese Herbergen an Wirte verpachtet. Aus dieser Zeit stammen auch die Namen wie „Paradies, Kreuz, Lamm, Mohren oder Drei Könige“. Herbergen, die besonders gut waren, in denen Adlige Unterkunft fanden erkannte man an den Namen wie „Adler, Löwen oder Bären“, die aus den Wappen der Adligen kamen. Manche Wirtshausnamen orientierten sich an den Spezialitäten der Speisen und Getränke wie „Forelle“ für ein Fischlokal oder „Rebstock“ für eine Weinstube. Oft werden traditionelle Wirtschaften umbenannt in „Olympia, Saigon oder Akropolis“, was einen Wandel zeigt. Damals wie heute bedarf es aber einer Genehmigung, die sogenannte Schildgerechtigkeit, um Speisen oder Getränke ausgeben zu dürfen. Dies betraf aber nicht den Wirt sonder das Haus in dem gewirtet wurde. Als vor ein paar Jahren das Rauchverbot in Gaststätten eingeführt wurde gab es einen großen Wiederstand aber schon 1704 bestimmte die Hohenberger Landesverordnung unter anderem eine Art Rauchverbot das „Tabaktrinken“ wegen der Feuergefahr.

Von Mitte des 19. Jahrhundert bis Mitte des 20.jahrhundert war die Blütezeit der Gastronomie. In den Gaststätten entstanden große Säle die ab 1920 auch mal zu einem Kino umfunktioniert wurden. Im Winter wurde dort auch geturnt, gefochten oder gerungen. Insbesondre auf dem Land waren die Wirtschaften Teil der örtlichen Infrastruktur. Auch Frauen hatten Jahrhunderte lang in den Wirtsstuben nichts zu suchen, außer als Bedienung der männlichen Gäste.

Mitte des 20. Jahrhundert begann das Wirtshaussterben. Ein Auto ermöglichte es weiter weg zu gehen und am Abend wieder daheim zu sein. Die Erfindung des Fernsehers veranlasste die Männer daheim zu bleiben und das Bier auf dem Sofa zu genießen. Der steigende Wohlstand machte sich auch bei den Vereinen und Gemeinden bemerkbar und es entstanden die Vereinsheime, Turnhallen und Gemeindesäle. Vorbei war es wo in den Gasthäusern geprobt und geturnt wurde. Aber ohne den Stammtisch geht es auch in modernen Zeiten nicht. Die Kommunikation ist dem Menschen ein großes Bedürfnis und so wird heutzutage in modernen Hotels oder Gaststätten auch Politik betrieben.

Ausgestellt sind Dokumente, Bilder und Requisiten von Brauereien und Gaststätten die es teilweise schon nicht mehr gibt, die aber das Bild des Ortes und der Region geprägt haben.

Die Ausstellung ist nochmals zu sehen am Sonntag 30.03. von 13:00-17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

Bildquelle: Jens Geschke