Neue Alemannen-Gräber gefunden

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Schwarzwälder Bote, 17.09.2003:
Weitere Alemannen-Gräber entdeckt

Bei Bauarbeiten für den neuen Radweg von Oberflacht in Richtung Durchhausen wurden zwei gut erhaltene Alemannengräber freigelegt. Gefunden wurden zwei Särge. Darin lagen Skelettteile von Alemannen. Im Alemannischen Gräberfeld von Oberflacht sind bereits über 300 Grabstellen aufgefunden und ausgegraben worden. Mitarbeiter des archäologischen Landesamts sichern derzeit die Funde. Der neue Radweg zur Ziegelhütte führt gerade durch das Gräberfeld. Nachdem der Oberboden durch die Baufirma abgetragen war, haben Mitglieder des Arbeitskreis Museum, Dr. Juliane Schipulle und Hans Rossel, verdächtige Verfärbungen an der Oberfläche bemerkt. Bürgermeister Bernhard Flad hat das Archäologische Landesamt verständigt. Ein Ausgrabungstrupp hat nun die Gräber freigelegt.
Seitingen-Oberflacht (uwk)

Gränzbote, 17.09.2003:
Gräber von zwei Alemannen entdeckt:

Zwei gut erhaltene Alemannengräber wurden jetzt im neu anzulegenden Radweg zwischen Seitingen-Oberflacht und der Ziegelhütte gefunden. Nach Abtragung des Oberbodens durch die Firma Götz & Meyer haben Mitglieder des Arbeitskreises Museum (Dr. Juliane Schipulle und Hans Rossel) "verdächtige Verfärbungen" an der Oberfläche festgestellt. Bürgermeister Flad verständigte sofort das Archäologische Landesamt in Freiburg, so dass am Montag ein Ausgrabungstrupp die Gräber freilegte. Man fand zwei Särge mit Skelettteilen von Alemannen.

Schwarzwälder Bote, 18.09.2003:
Alemannengräber

Am Rand von Oberflacht in Richtung Durchhausen liegt der Reihengräberfriedhof der Alemannen aus dem frühen Mittelalter. 1809 wurden die ersten Bestattungen beim Lehmabstechen für eine nahe Ziegelei entdeckt. Ein aus Buchenbrettern gezimmerter Sarg kam 1822 zutage. 1825 fand man eine Totenbettstatt für ein Kind. Da Funde unbeobachtet verloren gingen, entschloss sich der Württembergische Altertumsverein 1846 zu einer Grabung, bei der an die 50 Gräber untersucht wurden. Die endgültige Bergung des Gräberfeldes erfolgte 1933/34. An die 300 Gräber sind registriert; zwei weitere kamen jetzt dazu. Die Särge mit Knochen und Beigaben liegen in einer tonigen Schicht unterhalb des Grundwasserspiegels und sind daher luftdicht abgeschlossen.

Schwarzwälder Bote, 18.09.2003:
Glasperle ziert Oberflachter Fundstelle

Juliane Schipulle bringt Archäologen auf die Spur von Alemannengräbern aus dem sechsten Jahrhundert Seitingen-Oberflacht. Juliane Schipulle wollte eigentlich nach Trossingen zum Einkaufen fahren. Doch dann parkte sie ihr Auto an der Radweg-Baustelle bei Oberflacht und das sollte sich lohnen. Die Ärztin spürte zwei weitere Alemannengräber auf (wir berichteten).

"Das ist mein Faible. Seit ich lesen kann, interessiere ich mich für archäologische Sachen", erzählt die Oberflachterin, die auch im Arbeitskreis Museum in der Gemeinde mitwirkt. Vorigen Donnerstag schritt sie nun die Baustelle ab, die mitten durch das alemannische Gräberfeld führt, bis ihr eine Stelle merkwürdig vorkam.

Juliane Schipulle bemerkte verdächtige Verfärbungen an der Oberfläche des Erdbodens und sie ahnte, unter der Erde könnten weitere Gräber mit Funden aus früherer Zeit liegen. Kurzum benachrichtigte sie Bürgermeister Bernhard Flad und weitere Arbeitskreis-Mitglieder. Flad setzte sich mit dem Landesdenkmalamt in Verbindung. Am Montag wurden Mitarbeiter aus Freiburg erwartet.

"Ich war das ganze Wochenende nervös", sagt Juliane Schipulle im Gespräch mit dem Schwarzwälder Bote. Sie hoffte freilich, dass sich niemand an den vermuteten Grabstellen zu schaffen mache. Alles blieb in Ordnung und die Bauarbeiter erhielten die Order, an der Stelle achtsam zu arbeiten. Es zahlte sich aus. Ingo Hofmann und Jürgen Kordsmeyer, Grabungsarbeiter des Landesdenkmalamts, nahmen die Tonerde behutsam weg und allmählich legten sie zwei Särge, parallel liegend, frei. "Sie stammen vermutlich aus dem sechsten Jahrhundert", erklärt Hofmann. über die Jahresringe des Holzes könne eine annähernd genaue Herkunftszahl ermittelt werden. Der links liegende Sarg war ohne Deckel. Verblüffend der Inhalt: Röhrenknochen vom Oberschenkel, von Armen und auch Schädelresten hoben die Grabungsarbeiter aus dem Sarg und ein besonderes Stück: eine Glasperle, die auf eine Frau schließen lässt. Im zweiten Sarg war wohl ein Mann bestattet: neben Knochenresten lag ein Feuerstein. Die Teile wurden fotografiert, gezeichnet und nach Freiburg gebracht.

Juliane Schipulle ist ganz glücklich. "Das ist ganz toll", freut sie sich über die besonderen Funde von Oberflacht, die eines Tages auch in der Gemeinde zu sehen sein werden.

Von Uwe Klausner