Auf den Spuren von Berta Benz

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Als vor 125 Jahren Berta Benz mit dem ersten Automobil von Mannheim nach Pforzheim und zurück fuhr dachte hier in der Region kein Mensch das 125 Jahre später einer der größten Autoproduzenten der Welt in Immendingen ein Prüf- und Technologiezentrum baut. Ab 2018 könnten dann bis zu 1500 Mitarbeiter auf dem Gelände der Bundeswehr in Immendingen unter dem Stern arbeiten oder Ausgebildet werden.

Zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Prüf- und Technologiezentrum Immendingen konnte Bürgermeister Bernhard Flad neben 40 Interessierten auch Dr. Lothar Ulsamer von der Daimler AG im Gemeindezentrum Seitingen-Oberflacht begrüßen und meinte, wenn Daimler in die Region kommt ist was los und das einer der größten Konzerne der Welt Veränderungen bringt, auch bei uns. Menschen wollen mobil sein, so Dr. Ulsamer und dazu gehört auch die Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Neben der Medizintechnik bietet Daimler der Region nun ein zweites Standbein an mit dem Hinweis hier keinen Gegensatz zu schaffen.

Das Gelände der Bundeswehr in Immendingen erwies sich nach langer Standortsuche, für das Technologiezentrum, als ideal in Bezug auf Größe, Anbindung und Nähe zum Mutterhaus in Sindelfingen. So soll das Zentrum im Focus der PKW Sparte stehen während die LKW Sparte in Wörth bleibt. Ziel ist der Weg zum emissionsfreien und sicheren Fahren. Die Verbraucher, so Dr. Ulsamer, sind sensibler geworden und so wird an der Optimierung, von Verbrennungsmotoren, Hybridisierung und Fahren mit Batterie oder Brennstoffzelle gearbeitet, was die Antriebstechnologie betrifft. Ansätze in Sachen unfallfreies Fahren sind ebenfalls da wie das intelligente Lichtsystem, Totwinkelassistent, Spurhalte- und Tempolimitassistent, da gibt es aber noch viel zu tun so Dr. Ulsamer. Der Trend geht in mehr Elektronik die die vorhandenen Informationen und Systeme im Auto noch besser und effektiver miteinander kommunizieren lassen. Autonome Systeme übernehmen Teile der Fahraufgabe so dass das fahrerlose Fahren in greifbare Nähe gerückt ist. Es wird ein Bertafeld entstehen wo autonome Fahrzeuge getestet werden. Geforscht wird auch in Sache Leichtbau, Qualität, Sicherheit und Komfort. Während die Testgelände bisher ebene Flächen aufwiesen wird es in Immendingen neben verschiedenen Fahrbahnbeschaffenheiten auch Höhenunterschiede in den Teststrecken geben wo zum Beispiel die Rückspeisung bei Elektroautos getestet wird. Ohne den Kaufpreis wird Daimler 200 Mio. Euro in das Prüf- und Technologiezentrum investieren.

Einer der wichtigsten Punkte beim Bau der Anlage ist Natur und Naturschutz. Karl der Käfer wird hier gefragt und nicht fortgejagt. So werden Wildwegekorridore entstehen, eine Entsiegelung nicht mehr benötigter Verkehrs- und Siedlungsflächen oder Artenschutzmaßnahmen. Geplant ist, dass die oberirdischen Munitionsbunker geöffnet werden um Fledermäusen, Reptilien und Vögeln als neues Heim zu dienen. Eingriffe wird es geben, so Dr. Ulsamer, es werden aber Ausgleichsmaßnamen im Gegenzug durchgeführt. Kulturdenkmäler wie die Josefskapelle, das Schweizer Kreuz und das Eschentaler Kreuz werden erhalten und eingebunden.

Wenn voraussichtlich 2018 die Aufnahme der gesamten Forschungs- und Entwicklungsarbeit beginnt, werden Tagsüber bis zu 400 und nachts bis zu 70 Testfahrten stattfinden. Chancen bietet Daimler mit dem Projekt der ganzen Region. Man erhofft sich wirtschaftliche Impulse für die umliegenden Kommunen, der Region und dem Land. Erste Auswirkungen der Daimleransiedlung in Immendingen sind am Hochschulcampus in Tuttlingen und der Fachhochschule Furtwangen zu spüren.

 

Bildquelle: Jens Geschke